Verzauberter Alltag

Marion Brasch ist Moderatorin beim Rundfunksender "radio eins". Und Schriftstellerin. Mit "Winterkind und Herr Jemineh" hat sie am theater junge generation in Dresden ein Puppentheaterstück herausgebracht, das bald auch als Kinderbuch erscheint.

"Winterkind und Herr Jemineh" von Marion Brasch, uraufgeführt von Ania Michaelis am theater junge generation in Dresden © Klaus Gigga

Marion Brasch, geboren 1961 in Ost-Berlin, ist Schriftstellerin und beliebte Moderatorin beim Berlin-Brandenburger Radiosender radio eins. In ihrem Debütroman "Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie" (2012) verhandelte sie die Geschichte ihrer Familie, zu deren prominentesten Köpfen der Vater Horst Brasch, stellvertretender Minister für Kultur der DDR (1966 bis 1969), und der vom DDR-Regime verfolgte Schriftsteller Thomas Brasch zählen.

Steckbrief zum Stück

Worum geht es?

Das Winterkind und Herr Jemineh sind ein ulkiges Gespann. Herr Jemineh ist nur so groß wie ein Finger und wohnt in der Manteltasche des Winterkindes. Er ist oft mürrisch und muss sich dann für kleine Grobheiten entschuldigen. Das Winterkind ist gewitzt und lässt sich doch von Herrn Jemineh das eine oder andere erklären. Auch auf die Gefahr hin, dass Herr Jemineh dabei ein wenig Quatsch erzählt. Gemeinsam gehen die beiden auf einen abenteuerlichen Trip durch die Stadt auf der Suche nach Frühstück und finden ein geheimnisvolles Paket. Ihre Tour endet am Hafen, wo das Duo vor einer schwerwiegenden Entscheidung steht, die das Publikum im Theatersaal ihm abnehmen muss.

Worum geht es wirklich?

Den Alltag verzaubert sehen zu können: Wir blicken in eine Wirklichkeit, die in jedem Moment so ausschaut, als könne sie mit dem Drehen eines Zauberwürfels (der im Stück eine Rolle spielt) neu geordnet werden. So wird die Tagesreise des liebenswert ungleichen Paares zur Allegorie auf die Erfahrung einer autonomen Kunst, die sich vom Gewöhnlichen löst.

Wie klingt das Stück?

In den charmanten Frotzeleien der beiden Helden blitzt immer wieder herrliche Wortverdrechslungskunst auf ("Gehirnverschüttung" – "Heißt das nicht Gehirnerschüttung?"). Die Dialoge hüpfen in subtile Momente eigenwilliger, kindlicher Logik: "Aber wenn du jetzt in dem kalten Schnee stehen bleibst, wirst du nicht nur verhungern, sondern auch erfrieren oder dir mindestens einen riesengroßen Schnupfen holen, wenn nicht sogar zwei."

Wohin von hier aus?

Ein Hauch von magischem Realismus liegt über dem Stück (das eigentlich zunächst ein Kinderbuch war). Wer es mag, wie der Zauberwürfel die Welt für das Winterkind anders hörbar macht, der dürfte auch den Klassiker von P. L. Travers lieben: "Mary Poppins" (von 1934), insbesondere Kapitel 9: "Die Geschichte von Barbara und John", in dem die Sprache der Kinder (und Tiere) literarisiert ist, ehe der "eigentliche" Spracherwerb einsetzt.

(Christian Rakow)

Marion Brasch quer Foto Linda Rosa SaalMarion Brasch © Linda Rosa Saal

7 Fragen an die Autorin

Was steht bei Ihnen ganz am Anfang der Arbeit an einem Stück?

Eine Figur.

Was sollten Stücke für junges Publikum können?

Phantasie fliegen lassen.

Was hat in Kinderstücken nichts zu suchen?

Belehrung.

Welche Aussage sollte man nicht mit Ihrem Werk in Verbindung bringen?

Langweilig.

Was ist Ihre liebste Behauptung über das Theater?

Etwas klüger rauskommen, als man reingegangen ist. Oder glücklicher. Im besten Falle beides.

Wer war der Held oder die Heldin Ihrer Kindheit?

Huckleberry Finn.

Welche Figur aus der Literatur für Erwachsene würden Sie gerne einmal auf einer Kindertheaterbühne sehen?

Holden Caulfield.

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