Das klingt familiär

Beim Publikumsgespräch beantwortet Autor Falk Richter auch sehr persönliche Fragen. Nur an einer Stelle blockt er ab.

Von Falk Lörcher

Falk Richter (rechts) beim Publikumsgespräch © miwo

19. Mai 2024. In Falk Richters Produktion geht es um die Praxis des Schweigens, um das Verschweigen und das zum Schweigen gebracht Werden. Beim Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung nahmen Richter, Schauspieler Dimitrij Schaad und Dramaturg Nils Haarmann dann die Gelegenheit wahr, locker aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Man erfährt, dass Doris Waltraud Richter für die Gespräche mit ihrem Sohn eine Gage erhalten hat, dass sie mit der Schaubühne dazu einen Vertrag geschlossen hat. Vor allem die Arbeit mit dem Dokumentarfilmer Lion Bischof habe ihr gefallen, erklärt Richter. Sie war es auch, die Bischof einlud, sie beim Schwimmen aufzunehmen.

"Die schwimmende Mutter, das war für mich das gruseligste am ganzen Stück – Was war das mit dem Schwimmen?", fragt eine Zuschauerin aus dem Publikum. Etwas irritiert entgegnet Richter: "Das ist meine Mutter, wie sie schwimmt." – "Die war sehr groß die Mutter, die Sequenz war sehr lang. Ich habe kann nur sagen, das hat mich gegruselt – normalerweise gruseln mich schwimmende Leute nicht", erklärt die Zuschauerin, die die Szene – aus welchem Grund auch immer – stark mitgenommen haben muss.

SILENCE GianmarcoBresadola 2Doris Waltraud Richter beim Schwimmen © Gianmarco Bresadola

Andere waren dagegen mehr betroffen von den Themen, die Richter auf der Bühne verhandelt: der Umgang mit Krieg und Nazizeit, die Gewalt in der Familie, Homophobie, das Schweigen der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Apropos: Warum heiße Falk Richters Arbeit denn eigentlich "The Silence" und nicht "Das Schweigen"?, will eine Zuschauern wissen. Warum müsse denn alles immer englisch sein heutzutage? Richter gibt als Antwort, dass es im Stück um "Silencing" gehe, um den aktiven Vorgang, jemanden zum Schweigen zu bringen, deshalb also: "The Silence".

Mehrere Zuschauer*innen finden sich selbst wieder in Richters Text. Sie kennen die Praxis des Schweigens, des Nicht-Redens aus ihren eigenen Familien. Vor allem die Darstellung der Mutter habe es in sich: "Diese einfachen Bilder haben so viel Aussagekraft, also das hat mich sehr berührt."

Da verstummt auch der Autor

Richter selbst schweigt, als er nach dem Verhältnis zu seiner Schwester gefragt wird. Mit einem "Jetzt müssen wir über das Theater reden" entzieht er sich der Frage. Richters Schwester stehe nicht in der Öffentlichkeit – und das solle nach Möglichkeit so bleiben. Denn, und das wird auch im Publikumsgespräch deutlich, der Autor hat für "The Silence" zwar mit seiner Biographie gearbeitet, das Stück ist aber keine komplette Offenlegung von Richters Privatleben und Familiengeschichte – es handelt sich schließlich um Autofiktion.

Während die Videoeinspielungen von Falk und Doris Waltraud Richter wohl am nächsten an Richters tatsächlichem Leben liegen, gleitet der Text im Handlungsverlauf auf fast rein fiktionale Ebenen. Dimitrij Schaad werde im Laufe der Handlung immer mehr zu einem "fiktiven Falk Richter", erklärt Dramaturg Nils Haarmann.

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